Schiedsrichter entscheiden zweites Duell – Pinguins verlieren gegen „Hunnius“ Mannheim
28.03.2026 - 15:37 von Rainer
Es ist Playoff-Zeit – die Spieler freuen sich auf eine spannende K.O.-Runde in der DEL und das Kräftemessen, um ihre monatelange Knochenarbeit den bestmöglichen Erfolg zu geben. Leider ist es auch die Phase, in der Schiedsrichter der Auffassung sind, sie müssten mit dubiosen Entscheidungen zum Ausgang eines Spies beitragen. Die Fischtown Pinguins erlebten es gestern Abend vor 4.767 Zuschauern am eigenen Leib und verloren durch krasse Beeinflussung des DEB-Kartells mit 4:5 (1:1; 2:3; 1:0; 0:1) nach Verlängerung.
Dass sich die Pinguins – ohne Jan Urbas, Bennet Roßmy, Matthew Abt und Max Görtz, dafür wieder Miha Verlic und Justin Büsing dabei – viel vorgenommen hatten, spürten die Besucher von der ersten Sekunde an. Mit starker Präsenz und druckvoller Offensive wollte das Team von Alexander Sulzer zu einem frühen Treffer gelangen. Mehr als einen geblockten Versuch von Vladimir Eminger ließ die kompakte Defensive der Quadratestädter jedoch nicht zu (2.). Alex Friesen testete die nach wie vor starken Fangkünste von Maxi Franzreb (3.). Der Schuss von Maximilian Heim, der am Ziel vorbeizischte, sorgte für nur wenig Entlastung (5.). Für mächtig Verwirrung sorgte der Pass von Alex Friesen in den Slot, wo Nino Kinder aber nicht zum finalen Abschluss kam (6.). Dann ging es richtig rund in der Eisarena, die sich kurzzeitig zur Boxbude verwandelte. Der ohnehin zur Überhitzung neigende Brendan O´Donnell traf auf Christian Wejse, der ihm eine ordentliche Tracht Prügel verabreichte. Beide Kontrahenten konnten sich anschließend in der fünfminütigen Verweildauer auf der Strafbank behandeln lassen (9.). Kurz darauf probierte es Colt Conrad mit einem Schlenzer aufs kurze Eck, doch Maxi Franzreb verbarg seine bekannte Schwäche mit einer flotten Fanghand (10.). Die half ihm aber nicht, als Akito Hirose die Scheibe von der blauen Linie zum Tor warf und Andy Miele zum 1:0 perfekt abfälschte (13.). Die Gäste gaben allmählich ihrer konzentrierten Defensive auf und gestalteten den Ablauf ausgeglichen. Klare Einschussmöglichkeiten konnte sich beide Teams bis zum ersten Pausentee nicht erarbeiten. Wenn nicht der eklatante Fehlpass von Rayan Bettahar in die Rundung der eigenen Zone Nicolas Mattinen bedient hätte. Dessen Pass in den Slot erreichte den freistehenden Kris Bennett, der sich mit dem 1:1 für das Geschenk bedankte (20.).
Ein genialer Spielzug der Bremerhavener zu Beginn des Mittelabschnitts hätte die erneute Führung durch Phillip Bruggisser zur Folge haben müssen. Tat es aber nicht. Im Gegenzug stand dafür Kris Bennett wieder goldrichtig und erzielte im Nachschuss das 1:2 (22.). Die Pinguins rissen das Zepter wieder an sich und trugen Angriff auf Angriff ins Drittel der Adler. Nino Kinder scheiterte am abermals gut reagierenden Maxi Franzreb. Auf der anderen Seite führte wieder ein leichtfertiger Scheibenverlust von Alex Friesen zu einer Großchance der Mannheimer. Yannick Proske gelang es jedoch nicht, Kristers Gudlevskis zu überwinden (26.). Ross Mauermann gönnte sich ebenfalls den Luxus, das Spielgerät neben das leere Tor zu semmeln (27.). Die Frackträger ließen aber nicht locker und erzwangen die erste Überzahl der Partie, nachdem sich William Worge Kreü nur eines Fouls bedienen konnte. Dort fühlte sich Kristers Gudlevskis zu einem Ausflug an die seitliche Umrandung berufen, erwischte dort aber den Puck nicht. Glück, dass Tom Kühnhackl an die blaue Linie zurückpasste, statt den besser postierten Mitspieler im Slot einzubeziehen (29.). Bei ausgeglichener Personalstärke klappte es dann bei den Bremerhavenern besser. Das Zuspiel von Andy Miele bugsierte Colt Conrad im Fallen zum 2:2-Ausgleich in die Maschen. Auch die Ansicht per Video gab den Referees Andre Schrader und Sirko Hunnius keinen Anlass, der Reklamation Maxi Franzrebs zu folgen, er sei im Torraum behindert worden (31.). Die Freude währte aber nicht lange, denn nur 55 Sekunden später schüttelten die Mannheimer die Abwehr der Pinguins mächtig durcheinander und machten es Luke Esposito leicht, das schwarze Gummi zum 2:3 zu versenken (32.). Die bald darauffolgende Hinausstellung von Phillip Bruggisser sollte ebenfalls schmerzhafte Folgen mit sich bringen. Nicolas Mattinen staubte zum 2:4 ab und stellte den eigentlichen Spielverlauf völlig auf den Kopf (33.). Die Bremerhavener folgten dennoch weiter ihrem Gameplan und – ebenfalls in numerischer Überzahl – nutzte durch Christian Wejse einen Rebound zum 3:4 (38.).
Im letzten Drittel der regulären Spielzeit legten die Pinguins nochmal richtig Fleisch auf den Grill, während die Mannheimer augenscheinlich den knappen Vorsprung mit auf die Heimreise nehmen wollten. Doch Nino Kinders Schuss aus der Distanz war bei Maxi Franzreb gut aufgehoben (42.) und Colt Conrad verfehlte das Ziel gänzlich, wenn auch nur knapp (44.). Mit zunehmender Spieldauer schien es, als würde den Pinguins etwas die Puste fehlen. Konzentrationsdefizite erschwerten zielgenaue Angriffe zu kreieren. Als Alexander Sulzer seinen Goalie für einen sechsten Feldspieler auf die Bank beordert hatte, war es einmal mehr Colt Conrad, der den vielumjubelten 4:4-Ausgleich erzielte. Die angezeigte Strafe gegen Luke Esposito entfiel (59.). Was, wenn nicht nach exzellenter Vorarbeit von Phillip Bruggisser der Schläger von Nicholas Jensen beim Schussversuch zerbrochen wäre… (60.).
In der Overtime hatten beide Mannschaften gute Ansätze. Den Schiedsrichtern schien das Nachsitzen besonderes Missfallen besorgt zu haben. Nach zwei nicht geahndeten Regelwidrigkeiten der Mannheimer durften die Beteiligten von einer großzügigen Auslegung ausgegangen sein. Als aber eben einer dieser namens Matthias Plachta in der nächsten Aktion einen Schwächeanfall erlitt und zu Boden ging, erwischte es den in der Nähe weilenden Vladimir Eminger. Zumindest bei dem einschlägig erfahrenen Sirko Hunnius dürften die stetigen Beeinflussungsversuche und Schäkereien der Gäste über das gesamte Spiel endlich fruchtbar gewesen zu sein. Dass die Linesmen im Praktikum anschließend bei Unterzahl der Pinguine sogar auf Iceing entschieden, rundete die unterirdische Spielleitung ab. Es kam, wie es kommen musste. Drei Sekunden vor Ablauf der Strafe fand die Scheibe zum 2:3 den Weg ins Bremerhavener Tor. Dass der Schütze Zach Solow diese mit einer aktiven Kickbewegung über die Linie beförderte, interessierte die „Unparteiischen“ keineswegs (66.). Schade, dass eine klasse Playoff-Begegnung einen derartigen Ausgang nahm und die Akteure dies nicht in eigener Hand entscheiden durften. Den Mannheimern sei es gegönnt, sich über einen per Schiedsrichter dirigierten Sieg zu freuen. Es zeigt indes die starke Leistung der Bremerhavener, die ohne Hilfe eines Offiziellen am Rande eines Erfolges waren.
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