| Rainis Blickwinkel |
| Bremerhaven demütigt Mannheim – Pinguine fegen Adler mit 6:1 (1:0; 3:1; 2:0) vom Eis |
| 01.04.2026 - 13:29 |
Das Viertelfinal-Aus in den Playoffs ist zumindest vertagt. Die Fischtown Pinguins präsentierten sich gestern Abend in einer hervorragenden Verfassung und schickten den Hauptrundenzweiten mit einer hochverdienten Niederlage auf die Heimreise. Headcoach Alexander Sulzer justierte etwas in den Reihen und schenkte Leon Hungerecker das Vertrauen zwischen den Torstangen. Der zahlte es mit einer bravourösen Leistung auf den Cent zurück. Ross Mauermann rotierte aus dem Aufgebot, dafür verstärkte Nicholas Jensen die Defensive.
Bereits nach 11 Sekunden stand der Keeper im Mittelpunkt, als er den Schuss des völlig freistehenden Luke Esposito entschärfte. Die Pinguins antworteten in der Offensive mit Matthew Abt und Jan Urbas, deren Versuche jedoch sichere Beute von Ex-Pinguin Maxi Franzreb wurden (3./4.). Im Gegenzug tauchte Brendan O´Donnell allein vor Leon Hungerecker auf, scheiterte aber an einer glänzenden Abwehr des Goalies (5.). Ebenso erging es Leon Gawanke, der die von ihm abfeuerte Scheibe in der Fanghand verschwinden sah (6.). Nach der Hinausstellung gegen Matthias Plachta hatten die Frackträger erstmals Überzahl, konnten sie allerdings trotz guter Ansätze nicht mit einem Treffer versüßen (8.). Dafür überstanden sie eine eigene Strafzeit auch ohne Gegentor. Hüben wie drüben ergaben sich weitere Gelegenheiten, doch Colt Conrad (12.) und Kris Bennett (14.) brachten das schwarze Gummi nicht am Torhüter vorbei. In der 17. Spielminute bediente Andy Miele nach einem Konter mit der Genauigkeit eines Uhrmachers den im Schatten der Mannheimer Abwehr mitgelaufenen C. J. Smith, der zur 1:0-Führung verwandelte. Der knappe Vorsprung hatte zur ersten Drittelpause nur deshalb Bestand, weil Leon Hungerecker gegen den mutterseelenallein vor ihm abschließenden Maximilian Heim hervorragend klärte (19.).
Kurz nach Wiederbeginn hatte der Schlussmann jedoch Pech, als er einen Schuss von Leon Gawanke abgewehrt hatte, dem lauernden Justin Schütz die Scheibe aber an den Schlittschuh prallte und anschließend die Linie zum 1:1-Ausgleich überquerte (23.). Ziga Jeglic auf der einen (24.) und Brendan O´Donnell (28.) auf der anderen Seite machten mit ihren Versuchen weitere Bekanntschaft mit den starken Leistungen der Torhüter. Allmählich fügten die Pinguins ihrem eh schon kompakten Auftreten auch spielerische Finesse hinzu und stürzte die Greifvögel von einer in die andere Verlegenheit. Akito Hirose garnierte einen gut vorgetragenen Angriff, als er die Scheibe zum 2:1 in den linken Winkel zirkelte (29.). Dagegen machte es Nicholas Jensen zu genau und traf eine Zeigerumdrehung weiter mit seinem Knaller nur das Quergestänge. Die Mannheimer verloren ihr Konzept gänzlich und als William Worge Kreü sich einer Regelwidrigkeit bediente, sorgte Matthew Abt nach genialem Pass von Nino Kinder mit dem 3:1, dass sich der Schwede gar nicht erst in die Kühlbox begeben musste (32.). Bei Dan Renouf machten sich kurz darauf erste neurologische Ausfallerscheinungen bemerkbar. Seine Drohgebärden an die Bremerhavener Mannschaftsbank behandelten die Referees Roman Gofman und Sean MacFarlane mit einer zehnminütigen Disziplinarstrafe (33.). Im höchsten Maße undiszipliniert agierten die Quadratestädter auch in der Folgezeit, was Colt Conrad bei angezeigter Strafe gegen William „Würge Cruyff“ mit dem 4:1 beantwortete (34.). Der schwedische Rambo war auch wieder dabei, als C. J. Smith überflüssigerweise mit der Schlägerschaufel bei Maximilian Franzreb nachsetzte. Diesmal wanderte jedoch nur der Bremerhavener auf die Strafbank (39.). Dass die Mannheimer primär mit dem Lecken ihrer Wunden beschäftigt waren, zeigte das wirkungslose Powerplay, welches folgte. Deren Coach Dallas Eakins nahm sogar seinen Goalie für einen sechsten Spieler vom Eis – ohne Erfolg. Mit der Drittelsirene erwischte es dann endlich auch Matthias Plachta, der für seine fortwährenden Monologe gegenüber der Schiedsrichter mit einer kleinen Strafe belegt wurde (40.).
Die womöglich guten Vorsätze der gerupften Adler stießen die Pinguins schon nach 21 Sekunden im letzten Durchgang in die Weser, als Nico Krämmer per Nachschuss das 5:1 markierte (41.). Warum Mannheims Trainer Dallas Eakins bei ausgeglichenem Personal seinen Torhüter für einen zusätzlichen Feldspieler wechselte, war vermutlich auch dem abhanden gekommenen Durchblick geschuldet. Phillip Bruggisser zeigte Gefallen an der Idee und schickte die Scheibe mit perfekter Geometrie über die Bande zum 6:1 in die leere Kister der Gäste (44.). Spätestens jetzt glichen die Adler aus Mannheim dem Zustand nach einer Schockmauser. Die Überzahl nach einer Strafe gegen C. J. Smith nahmen sie wahrscheinlich gar nicht bei vollem Bewusstsein wahr, sodass auch diese Möglichkeit einer Resultatsverbesserung verpuffte (49.). Anstatt sich einzugestehen, an diesem Tag das schlechtere Angebot im Portfolio gehabt zu haben, verwechselten einige Mannheimer offenbar die Eisfläche mit dem Pausenhof einer Justizvollzugsanstalt. Andy Miele wurde zunächst für seinen „mahnenden Hinweis“ für zehn Minuten in die Kühlbox verbannt (52). Dass seine Reklamation große Substanz hatte, zeigte wenig später Luke Esposito. Der steuerte nach einem fairen Check von Akito Hirose schnurstracks auf Leon Hungerecker zu und streckte ihn im Torraum nieder. In Erwartung seiner zu Recht folgenden Tracht Prügel für seine im höchsten Maße an den Tag gelegte Unsportlichkeit, ließ der in der Hauptrunde selbst geschundene Angreifer sich von Leon Gawanke vertreten und die Quittung von Christian Wejse in Empfang zu nehmen. Zumindest die Strafbänke beider Teams füllten sich und die Unparteiischen verloren allmählich den Überblick (55.). Eishockey fand kaum noch statt und langsam wurden die Aktionen der gedemütigten Mannheimer zur Farce. Wenig verwunderlich, dass Zach Solow und der psychisch überlastete Dan Renouf ihre Ansprüche auf einen Termin beim Neurologen noch geltend machten. Phillip Bruggisser hielt dagegen, erntete jedoch ebenfalls eine Gutschrift auf dem Strafzeitenkonto (59.). Als auch noch William „Würge Cruyff“ kurz vor Ende der Partie ein weiteres Mal in Erscheinung trat und sich eine Therapie in der Kühlbox verschreiben ließ, pfiffen die Referees die Partie gar nicht mehr an (60.).
Was die Besucher dieses vierten Spiels im Viertelfinale der Penny DEL erlebten, verschlägt einem die Sprache. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Die Mannheimer trafen auf einen starken Gegner und hätten dies als Mannschaft mit hoher Qualität einfach abhaken können. Jedoch mit der Reaktion auf eine Majestätsbeleidigung zu kontern, ist armselig. Das konnte nur das Pack aus der bayrischen Landeshauptstadt noch toppen, dass sich wie Vandalen in Ingolstadt präsentierten und in ihrem Rausch von Frust und Versagen sogar noch einen Spieler der Schanzer schwer verletzten. Möge am kommenden Donnerstag wieder der sportliche Austausch in den Vordergrund rücken und klären, ob es für die Pinguins in die Sommerpause geht oder sich beide Teams am Ostersonntag zu einem weiteren Duell in der Seestadt treffen.
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Rainer |
gedruckt am 03.04.2026 - 19:44 |
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