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Rainis Blickwinkel

Pinguins schießen sich den Frust aus dem Frack – Christian Wejse mit drei Treffern
29.11.2025 - 04:02 von Rainer



Die Skepsis der Besucher vor der Partie in der ausverkauften Eisarena am Wilhelm-Kaisen-Platz war schnell verflogen. Bereits nach dem ersten Drittel hatte das Team von Alexander Sulzer die Gäste vom Main zu Weihnachtspäckchen verschnürt. Am Ende gewannen die Bremerhavener mit 5:2 (4:0; 0:0; 1:2) und beendeten vorerst ihre Talfahrt.

Die Frankfurter dürften sich dürften sich in den ersten 20 Minuten wie am Weserdeich bei Orkan gefühlt haben. Die erste Böe verpasste Phillip Bruggisser dem Kasten der Gäste, auch wenn sein Geschoss das Ziel verfehlte (3.). Die Pinguins drehten weiter am Regler und setzten den Tabellenzwölften mit sicherer Scheibenführung mächtig unter Druck. Colt Conrad aus zentraler Position mit einem Drehschuss und Alex Friesen allein vor Keeper Cody Brenner machten diesem das Leben schwer (6.). Als Matthew Abt sich Bennet Roßmy als Partner zum Doppelpass ausgeliehen hatte, schweißte der Verteidiger die Scheibe zum 1:0 in die linke Ecke (8.). Noah Dunham litt anscheinend noch unter dem Schock des Führungstreffers, denn anders war sein schlampiger Pass auf Cameron Brace im Konter bei zwei auf eins nicht zu erklären (9.). Umso erfreulicher, dass auch der Karawanken-Express wieder mit vollem Tank über das Eis fegte. Kapitän Jan Urbas scheiterte soeben noch allein vor dem Gästekeeper mit einem Kunstschuss, doch Ziga Jeglic drosch die Scheibe stellvertretend im Nachschuss zum 2:0 aus spitzem Winkel in die Maschen (11.). Und wieder war es Cody Brenner, der in dickster Luft vor seinem Gehäuse gegen Christian Wejse für freie Sicht sorgen musste (14.). Die Gäste schwächten sich Hinausstellungen zusätzlich. Dabei durften sie froh sein, dass nach einer angezeigten Strafe gegen Markus Schweiger nicht auch noch Carter Rowney wegen eines Fouls an Ziga Jeglic die Strafbank küssen musste (16.). Die Anhänger der Pinguin rieben sich verwundert die Augen, als nach abgelaufenen 34 Sekunden der Puck in der Frankfurter Kiste verschwand. Jan Urbas hatte abgefeuert und Christian Wejse zum 3:0 abgefälscht – zack, es klappt doch noch (17.). Es wurde sehr bald die nächste Strafzeit gegen die Gäste ausgesprochen. Obgleich Ty Glover durch sein Gezappel und Gezeter in der Kühlbox den Eindruck erweckte, er habe seine Tabletten nicht eingenommen – er hatte Recht. Der von den Referees Martin Frano und Andreas Huber gesichtete hohe Stock an Ziga Jeglic war deren Phantasie entsprungen (19.). Viel Zeit zur Erholung ließen die Bremerhavener dem grantige Löwen nicht zur Abkühlung. Exakt drei Sekunden waren vergangen, da zappelte die Scheibe im Netz und die Tür zur Strafbank öffnete sich wieder. Diesmal hatte Miha Verlic draufgehauen und Christian Wejse unhaltbar für Cody Brenner zum 4:0 abgefälscht (20.).

Frankfurts Headcoach Tom Pokel setzte ein Zeichen und gab Cody Brenner „hitzefrei“. Fortan sollte Mirko Pantkowski den Scheiben keinen Durchlass gewähren (21.). Zugleich traten die Gäste auch anders in Erscheinung als im ersten Abschnitt. Weil sie sich jedoch immer wieder zu Nickligkeiten hinreißen ließen, bremsten sie ihren Aufgalopp fahrlässig selbst. Glück, dass die Bremerhavener die Bedienungsanleitung für erfolgreiches Powerplay in der Drittelpause in der Kabine ließen. So blieben die Überzahlspiele wirkungslos (30.). Einen feinen Diagonalpass von Miha Verlic nahm Jan Urbas direkt und zwang den Frankfurter Goalie zu einem Abpraller, für den sich aber kein Abnehmer unter seinen Kollegen fand (33.). Die Gäste hielten dagegen und mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch haute Ty Glover das Spielgerät aus der Drehung aufs Tor, wo Julius Hudacek sich der Gefahrenbeseitigung annahm (34.). Nur eine Zeigerumdrehung später probierte es Maksim Matushkin mit einem seiner gefürchteten Weitschüsse, doch auch hier mimte der Bremerhavener Schlussmann den Spielverderber (35.). Ein genialer Spielzug des Slowenen-Blocks landete im Slot bei Jan Urbas, doch dessen Aufforderung zum Tanz stieß bei Keeper Mirko Pantkowski auf geringes Interesse, sondern nur auf dessen Fanghand, die erbarmungslos zuschnappte (36.). Da auch der Schlagschuss von Michael Joyaux neben die Kiste flog, blieb der zweite Durchgang torlos (40.).

Im letzten Abschnitt hatten Alex Friesen völlig freistehend in zentraler Position (42.) und Miha Verlic nach einem Schlenker um seinen Gegenspieler herum (44.) gute Möglichkeiten, die jedoch bei Mirko Pantkowski in den besten Händen waren. Dann buchte Nico Krämmer einen Aufenthalt in der Kühlbox (45.). Glück für die Bremerhavener, dass nach einem Foulspiel von Miha Verlic bei den Referees kollegiales Augentränen auftrat und keine weitere Hinausstellung folgte (46.). Die Gäste waren dennoch erfolgreich. Maksim Matushkin brachte den Puck zum Kasten von Julius Hudacek. Der konnte zwar abwehren, war aber gegen den verwandelten Querpass von Linus Fröberg zum 4:1 machtlos (47.). Nur eine Minute später machte ein kurioser Treffer der Frankfurter zum 4:2 die Partie wieder scharf. Eine Bogenlampe von Cameron Brace wollte Vladimir Eminger mit der Hand aus der Gefahrenzone befördern, patschte sie jedoch wie ein Volleyballer in die eigene Kiste (48.). Wie gut, dass Colt Conrad wie ein Stepptänzer durch die Abwehr der Gäste spazierte und Christian Wejse dem Treiben mit dem 5:2 ein Ende setzte (49.). Ein Break von Chris Wilkie war dann doch zu harmlos, um einen starken Julius Hudacek zu bezwingen (50.). Die Unparteiischen schienen auch allmählich das Ende ihrer uneingeschränkten Aufmerksamkeit und Kompetenz zu erreichen. Nach einem Stockcheck von Tommy Pasanen an Ross Mauermann in die Bande, soll mit empfindlichen Messgeräten ein leichtes Zucken im Arm von Martin Frano festzustellen gewesen sein. Für einen erhobenen Arm zum Zeichen einer Strafzeit reichte es nicht. Auch der Versuch von Dennis Lobach, die Scheibe im Break an Julius Hudacek vorbeizubekommen, war zu einfallslos (58.). Rayan Bettahar (59.) und Alex Friesen (60.) probierten noch mit Fernschüssen das halbe Dutzend vollzumachen, doch es blieb beim verdienten 5:2 der Pinguins.
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